Personalie Vorstandsmitglied Dr. med. Karen Reinecke
Seit 2015 ist sie als Ärztin in Hamburg Mitglied der ÄGGF, seit 2022 arbeitet sie im Vorstand mit.
Liebe Karen, nahezu täglich begegnest du Kindern und Jugendlichen, um ihnen wichtiges Wissen zu vermitteln. Worauf kommt es an, damit du die Heranwachsenden wirklich erreichst?
Es braucht vor allem Echtheit, Offenheit und Respekt. Sie spüren sehr genau, ob man sie ernst nimmt und sich wirklich für ihre Gedanken und Fragen interessiert. Mir ist wichtig, eine lockere Atmosphäre zu schaffen, in der auch mal gelacht werden darf, in der keine Frage zu peinlich ist und niemand bewertet wird. So entsteht Vertrauen.
Wenn Jugendliche merken, dass sie mit ihren Unsicherheiten nicht allein sind und dass Wissen sie stärkt, eigene Entscheidungen zu treffen, werden sie neugierig und bleiben aufmerksam. Ein Gespräch in vertrauter Umgebung ohne Lehrkraft kann dabei viel mehr bewirken als reine Wissensvermittlung. Mir geht es auch darum, Handlungskompetenz zu fördern – also Wissen so zu vermitteln, dass die Jugendlichen es im Alltag nutzen, um selbstbewusst und verantwortungsvoll zu handeln.
Wer dich im Klassenzimmer erlebt, stellt fest: Du bleibst auch im Kamerafokus gelassen und konzentriert. Gibt es etwas, was dich aus der Fassung bringen kann?
Aus der Fassung bringt mich so leicht nichts. Ich mag es, wenn Kinder und Jugendliche ehrlich und spontan reagieren. Wenn jemand lacht, dazwischenruft oder provoziert, gehört das für mich dazu. Schwierig wird es nur, wenn jemand dauerhaft andere stört oder Grenzen überschreitet, dann spreche ich das klar an. Wirklich fassungslos macht mich allerdings, wie wenig viele Jugendliche über ihren eigenen Körper und seine Funktionen wissen. Und auch, wie stark Social Media ihr Körperbild, ihre Vorstellungen von Beziehungen oder Gesundheit beeinflusst. Genau das zeigt mir immer wieder, wie wichtig unsere Aufklärungsarbeit ist!
Angesichts der hohen Nachfrage von Schulen in Zeiten wachsender wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit: Was wünschst du dir für 2026?
Für 2026 wünsche ich mir vor allem bessere personelle und finanzielle Rahmenbedingungen für unsere Arbeit. Die Nachfrage von Schulen wächst, aber wir stoßen zunehmend an unsere Grenzen. Wir brauchen mehr Ärztinnen und Ärzte, die sich engagieren, und ausreichend finanzielle Mittel, um diese wichtige Bildungsarbeit verlässlich abzusichern. Gesundheitsbildung darf kein Zusatzangebot sein, das von Förderphasen abhängt, sondern muss dauerhaft möglich sein! Ich wünsche mir, dass Politik und Gesellschaft den Wert dieser Arbeit erkennen: Aufklärung stärkt junge Menschen nachhaltig und entlastet langfristig auch unser Gesundheitswesen.
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© Franziska Jordan, www.franzi-fotografie.de
